"Problematisch wird es, wenn das Reporting nicht die gesamte Bandbreite an Anlageklassen abbildet"
Gunnar Grape ist Geschäftsführer der iComps GmbH, die Vermögensverwaltern verschiedene Dienstleistungen anbietet, um sie bei dem Controlling und Reporting von Kundenportfolios zu unterstützen. Wir haben mit ihm über den derzeitigen Status des Vermögens-Reportings gesprochen und wie ein gutes Reporting aussehen sollte.
MyPrivateBanking: Wie beurteilen sie die derzeitige Qualität der Vermögens-Reportings von Vermögensverwaltern an ihre Kunden?
Gunnar Grape: Die Qualität von Vermögens-Reportings ist in den vergangenen Jahren – nicht zuletzt auch durch regulatorische Anforderungen (u.a. MiFID) – deutlich gestiegen, da den Kunden eine größere Transparenz verschafft werden soll. Durch den Einsatz neuer Technologien wie „Software as a Service (SaaS)" von Anbietern wie der iComps GmbH, wird nun auch kleineren und mittleren Unternehmen die Möglichkeit gegeben, hoch professionelle und performante Plattformen zu nutzen, welche bislang nur großen Konzernen vorbehalten waren. Dies geht im Regelfall einher mit der Senkung von Betriebskosten, einer geringeren Kapitalbindung und nicht zuletzt mit Vorteilen in der Sicherheit und Verfügbarkeit der genutzten Plattform gegenüber einer Inhouse-Lösung.
MyPrivateBanking: Wie schätzen Sie den heutigen Stand des Vermögens-Reporting ein?
Gunnar Grape: Wir würden die Bandbreite an unterschiedlichen Vermögens-Reportings nicht als Ganzes als ungenügend beurteilen. Sicherlich ist der Anteil der Vermögensverwalter, die ihr Vermögens-Reporting über weniger professionelle Lösungen, wie beispielweise Microsoft Excel, abbilden immer noch hoch. Problematisch wird es, wenn eine Lösung nicht die gesamte Bandbreite an Anlageklassen abbilden kann. Dies beginnt bereits bei derivativen Produkten und endet im Bereich von Beteiligungen wie Private Equity Fonds oder Schiffen. Hiermit einher geht, dass die Stamm- und Kursdatenversorgung nicht ausreichend ist und alternative Datenanbieter meist nicht zusätzlich in eine Lösung integriert werden können. Ein besonderes Augenmerk sollte darüber hinaus auch auf die steuerliche Komponente gelegt werden. Dazu zählen wir Daten wie den Zwischen-, Aktien- und Immobiliengewinn bei Investmentfonds (letztere insbesondere für Betriebsvermögen). Gerade die Berichterstattung für Betriebsvermögen und Stiftungen stellt besondere Anforderungen an ein Vermögens-Reporting, welches oftmals nur unzureichend erfüllt wird. Die Gründe für ein unzureichendes Vermögens-Reporting liegen somit zum einem in der verwendeten Lösung und zum anderen aber auch in den zur Verfügung stehenden Daten. Ohne eine qualitative Stamm- und Kursdatenversorgung hilft leider auch keine professionelle Lösung. Daher bieten wir unsere Plattform mit einem verlässlichen Partner in Bezug auf die Stamm- und Kursdatenversorgung an und können auf Wunsch auch weitere Anbieter an unsere Plattform andocken.
MyPrivateBanking: Welche Bestandteile sollte das Reporting seitens des Vermögensverwalters für seine Kunden beinhalten?
Gunnar Grape: Der Inhalt sollte mindestens dem Informationsbedürfnis des Kunden entsprechen und nicht wie so oft nur den regulatorischen Anforderungen oder dem „Standard". Für unser Dafürhalten gehört zu den Mindestanforderungen an ein qualitatives Reporting eine nachvollziehbare und transparente Performance, die alle Anlageklassen berücksichtigt. Um dem Kunden größtmögliche Transparenz zu verschaffen, ist die Angabe der Performanceberechnungsmethode (zeitgewichtet vs. geldgewichtet vs. Mod Dietz) Pflicht. Darüber hinaus sollten den Kunden unterschiedliche Vergleichsmaßstäbe angeboten werden, um die Leistung des Verwalters beispielsweise seit Mandatsstart „benchmarken" zu können.
Für den versierteren Kunden sind Risikokennziffern wie Volatilität, Tracking Error, Beta und Value at Risk die Mindestanforderungen. Bei Rentenportfolios sehen wir auch Duration (Macaulay / Modified) und Rating- bzw. CDS-Analysen als ein Muss an. Ein individuelles „Massen-Reporting“ sollte bei dem heutigen Stand der Technik kein Problem darstellen.
MyPrivateBanking: Welches sind für den Kunden die wichtigsten Angaben im Reporting, die er überprüfen sollte?
Gunnar Grape: Zu den Angaben, die wir für Kunden als essentiell erachten, gehören neben der Volatilität und der bereits genannten Performance (u.a. zur Risiko/Return-Betrachtung) auch die Kostenkomponente. D.h. im Idealfall werden systemseitig Performancedaten vor und nach Kosten ausgewiesen. Eine separate Kostenübersicht mit Angabe der Portfolio-Turnover-Ratio (PTR) hilft den Stakeholdern, die Qualität des Vermögensverwalters schnell zu beurteilen. Darüber hinaus hilft die Abbildung der Anlagestruktur Klumpenrisiken schnell zu erkennen.
MyPrivateBanking: Sehen Sie Entwicklungen im Family-Office-Bereich, die auch von Vermögensverwaltern für Privatkunden übernommen werden sollten?
Gunnar Grape: Entwicklungen, die wir hier sehen, betreffen zum einen die Transparenz von Fonds und die Darstellung von illiquiden Anlagen (geschlossene Immobilienfonds, Schifffonds, etc.). Im Family-Office-Bereich spielt das Thema „Spezial-Fonds“ nicht zuletzt durch die Einführung der Unternehmensteuerreform 2008 in Deutschland eine bedeutende Rolle. Durch die Zusammenlegung von Vermögen innerhalb eines Fonds kommt es unter anderem zur Effizienzsteigerung bei Management dieser, allerdings auch zum Verlust der zuvor geschätzten Transparenz für den Kunden. Dies gilt insbesondere dann, wenn neben dem Fonds auch weitere Anlagen, beispielsweise als Core-Satellite-Ansatz, im selben Portfolio gehalten werden. Moderne Plattformen bieten hier die Möglichkeit die Bestände des Fonds mit den weiteren im Portfolio befindlichen Anlagen zu verquicken. Der Kunde erhält somit die gewohnte Transparenz zurück. Neben der Transparenz von Fonds sehen wir das Gesamtvermögensreporting als adaptierbar im Privatkundensektor. Im konkreten Fall bedeutet das, dass die Privatkunden, die die über ihren Vermögensverwalter vermittelten illiquiden Anlagen ebenfalls in einem Vermögens-Reporting wiederfinden. Wir bieten auf diesem Sektor sogar die Preisrecherche über den Zweitmarkt als zusätzliche Dienstleistung mit an oder lassen auf Grundlage von Plandaten und Annahmen, die die Verwalter auf unserer Plattform hinterlegen können, entsprechende Werte beispielsweise mittels eines Discounted Cash-Flow Verfahrens berechnen. So können die Vermögensverwalter nahezu ohne zusätzlichen Aufwand das gesamt verwaltete Vermögen auf Knopfdruck reporten.
MyPrivateBanking: Besten Dank für das Gespräch.
Herr Grape ist auch Referent beim Deutsches Family Office Forum 2011, welches vom 5. bis 7. Oktober 2011 in Wiesbaden stattfindet. Eine strategische Veranstaltung für deutschsprachige Family Offices, mit Fokus auf konkreten Antworten auf die täglichen Herausforderungen und Bedürfnisse eines deutschen Single Family Office. Geboten wird dies durch Fallstudien von deutschen sowie internationalen Family Offices und hoch relevanten Experten.