In unserer jüngsten Analyse von Investmentfonds der größten Vermögensverwalter und Privatbanken haben wir ein besonderes Augenmerk auf den Total Expense Ratio (TER) gelegt. Anhand dieser Quote kann man noch am ehesten die Kosten für einen Fonds beurteilen. Aber wie unsere Untersuchung zeigt, ist die TER beileibe keine ausreichende Zahl, um die wirklichen Kosten eines Fonds beurteilen zu können. Unsere Analyse schloss einfache Investmentfonds ein, die in Europa gelistet sind und ihren Anlagefokus auf die Marktregionen USA, Europa, Asien und weltweit haben. Das einfache arithmetische Mittel der Kosten pro Region ist oben in der Tabelle aufgeführt.
Der höchste TER waren erstaunliche 2.35% (UBS Equity Asia), der niedrigste 1,08% (BNP Parvest Asia Classic). Wenn man die TER der Fonds mit der TER der passiven Produkte wie Exchange Traded Funds (ETFs) oder Indexfonds, die normalerweise eine TER zwischen 0,10% und 0,75% besitzen, vergleicht, kann man leicht ausrechnen, wie viel ein Investor allein durch den Kostenunterschied spart. Man denke nur an einen Kostenunterschied von 1% pro Jahr über 5 Jahre.
Die gewaltigen Gebühren, die die Vermögensverwalter für ihre Fonds berechnen (und die damit das Vermögen des Investors verringern), sind ein Grund und in den meisten Fällen auch der Hauptgrund, warum sie ihren Benchmark nicht schlagen können. Wenn man die gesamten Kosten zusammenrechnet, die aus den Vermögen der Kunden genommen werden, kommt man auf eine Summe von USD 405 Millionen (Die Gesamtsumme der verwalteten Vermögen nur von den bewerteten Fonds waren USD 22,71 Milliarden, Stand 31. Juli 2009).
Die Kostenquoten, wie sie oben aufgeführt werden, werden vielen Investoren bereits als unverhältnismäßig erscheinen. Und es kommen noch weitere hinzu: Im Gegensatz zu dem Begriff „Total Expense Ratio“ sind in den meisten europäischen Ländern nicht alle Ausgaben eines Investmentfonds abgedeckt. Nicht inbegriffen in der Total Expense Ratio sind zum Beispiel:
- Transaktionsgebühren als Ergebnis des Handels mit dem Vermögen des Fonds (wie Maklergebühren, Gebühren für Devisentransaktionen und Börsengebühren)
- Erfolgsgebühren und andere Kosten wie Beratungsgebühren und Spesen.
- Gebühren, die ein Investor tragen muss als Folge des Kaufs oder Verkaufs eines Fonds, wie Maklergebühren oder Ausgabe-/Rücknahmeaufschlag.
Fondsexperten wie der unabhängige Fondsmanager Alan Miller schätzen, dass sich die wahren Gesamtkosten auf mehr als das Doppelte der offiziell veröffentlichten Total Expense Ratio belaufen können. Folglich kann ein Investor schnell bis zu 3% oder 4% pro Jahr an Kosten für einen Aktienfonds zahlen, die ihm nie offen in Rechnung gestellt werden. Über eine Zeitspanne von zehn Jahren werden diese Kosten das Investitionsergebnis um 30% - 40% senken.
Wir denken, dass es an der Zeit ist, dass die Fondsindustrie die Geschäftsbücher öffnet und die gesamten Kosten aufzeigt. Dies würde nicht nur den Interessen der Kunden dienen, sondern auch ihren eigenen, da sonst Investoren weiterhin in immer steigender Zahl in die Arme von günstigen und transparenten ETF-Fonds fliehen werden.