"Ich bin Chef der unbeliebtesten Bank - bei den Banken"
Karl Matthäus Schmidt ist Vorstandsvorsitzender der ersten deutschen Bank, die ihren Kunden Finanzberatung auf Honorarbasis und damit ohne Interessenkonflikte anbietet. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie die Kunden dieses Beratungsmodell annehmen und was noch gemacht werden muss, um den Markt für Vermögensverwaltung transparenter zu machen.
MyPrivateBanking: Wieso bezeichnen Sie sich in Werbeanzeigen als „Chef der unbeliebtesten Bank”?
Karl M. Schmidt: Es ist wichtig, die Bedeutung des gesamten Zitats zu verstehen, das da wäre: “der Chef der bei anderen Banken unbeliebtesten Bank“. Die quirin bank ist deshalb dermaßen unbeliebt bei anderen Banken, weil sie deren Geschäftsmodell in Frage stellt. Normalerweise verdienen Banken ihr Geld, indem sie Provisionen beziehen, die entweder offen oder verdeckt in teuren Bankprodukten stecken. Das Ziel der Bank ist es, so viele Produkte wie möglich zu verkaufen und so viel an Provisionen zu beziehen wie sie nur kann und das ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob das im Interesse des Kunden liegt oder nicht. Unser Ziel als honorarberatende Bank ist es, unsere Kunden bestmöglich zu beraten. Natürlich wollen wir auch Geld verdienen, aber wir verdienen es nur, wenn unsere Kunden erfolgreich sind und nicht, wenn wir ihnen teure Produkte verkaufen. Seit 2006 arbeiten wir im Modell der Honorarberatung und wir haben damit in Deutschland erfolgreich eine öffentliche Diskussion über einen kundenfreundlichen Ansatz im Private Banking losgetreten. Die Banken mögen diese Debatten nicht und vor allem mögen sie es nicht, dass wir mit unserem neuen gerechten und transparenten Bankmodell erfolgreich sind. Zu guter Letzt sollten gute Werbeanzeigen über ein bestimmtes Maß an Humor verfügen und so ist diese Aussage natürlich mit einem Augenzwinkern zu verstehen.
MyPrivateBanking: Wie erfolgreich ist Ihre Strategie bislang auf dem Markt?
Karl M. Schmidt: Wir haben sehr viel Erfolg, wenn Sie sich die Zahlen anschauen. Wir haben die Zahl unserer Kunden von 700 auf über 7000 erhöhen können. Das bedeutet einen Anstieg um 1000 Prozent seit 2006. Gleichzeitig konnten wir die Höhe der verwalteten Vermögen vervierfachen. Heute lassen rund 7500 Kunden 2 Milliarden Euro an Vermögen von der quirin bank verwalten. Unsere Hauptgeschäftsstelle in Berlin wird unterstützt von 12 Zweigstellen und insgesamt 100 Honorarberatern, die ihre Niederlassungen in den größten Städten in Deutschland haben, wie München, Hamburg, Frankfurt, Köln und Stuttgart.
Außerdem gründet unsere Erfolgsgeschichte auch auf der Tatsache, dass während der Finanzkrise viele Leute ihr Vertrauen in konventionelle Banken verloren haben und angefangen haben, sich nach Alternativen umzuschauen. Honorarberatung ist eine solche Alternative. Sie ermöglicht eine Beziehung zwischen der Bank und dem Kunden, die gerecht und transparent geführt werden kann und in der es keine Interessenkonflikte gibt. Aktuell ist sie das einzige Modell, das ich kenne, das fähig ist, das Vertrauen in die Bankenwelt wiederherzustellen.
MyPrivateBanking: Warum vermeidet nur eine kleine Minderheit an Vermögensverwaltern in Europa Provisionen und bietet ihren Kunden Transparenz an?
Karl M. Schmidt: Ihre Frage ist einfach zu beantworten. Transparenz bedeutet, dass das Geschäft mit weniger Provisionen betrieben werden muss und dass auf die Option, ständig steigende Profite für die Bank zu erzielen, verzichtet werden muss. Transparenz bedeutet, dass man nicht nur auf den Aktionärswert achtet, sondern auch auf den Wert des Kunden. Ein Konzept, das einiges nachhaltiger ist als das konventionelle Geschäftsmodell der Banken. Aber dieses Konzept verlangt eben auch, Profite mit dem Kunden zu teilen, etwas, das sich nicht so leicht machen lässt, gerade wenn man versucht ist, den Vorteil, den man gegenüber dem Kunden durch mehr Informationen hat, für seine eigenen Interessen zu nutzen. Leider wird dieses Verhalten durch Banking auf Basis von Provisionen befördert.
MyPrivateBanking: Können Sie uns ungefähr sagen, wie viele Anlagefonds Provisionen an Banken zahlen, die diese Produkte in die Portfolios ihrer Kunden aufnehmen?
Karl M. Schmidt: Soweit ich weiß, ist das der Fall für die Mehrheit der Anlagefonds. Eine Ausnahme von dieser Regel sind die so genannten Exchange Traded Funds. Sie sind sehr transparent, kosteneffizient und effektiv. Darum mag die quirin bank ETFs und empfiehlt sie gerne für die Portfolios der Kunden.
MyPrivateBAnking: Denken Sie, dass die Regierung sich stärker einschalten und Kunden besser schützen sollte vor schlechter Anlageberatung und Interessenkonflikten?
Karl M. Schmidt: Ganz klar ja. Der durchschnittliche Kunde muss besser geschützt werden, vor allem wenn man bedenkt, dass sie oft nicht wissen, wie viel sie konventionelles Banking in Wirklichkeit kostet. Sie denken sogar, dass gewöhnliche Bankdienstleistungen kostenlos sind. Das Gegenteil ist natürlich der Fall. Ich bin überzeugt, dass nur ein informierter Kunde wirklich die Verantwortung für seine Entscheidungen übernehmen kann. Das ist der Grund, warum die Kosten in Bankprodukten und Dienstleistungen transparent und vergleichbar sein müssen. Ein guter Indikator ist die sogenannte „Reduction in Yield“. Diese Kennzahl zeigt an, um wie viel die jährlichen Erträge einer Investition durch die Gesamtkosten geschmälert werden.
MyPrivateBanking: Was sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Dinge, die eine vermögende Einzelperson oder Familie tun sollte, um das Beste aus ihrer Vermögensverwaltung oder Privatbank zu machen?
Karl M. Schmidt: Das Wichtigste ist, dass man die richtigen Fragen stellt: Fragen Sie nach den Kosten in Produkten und Dienstleistungen, fragen Sie nach den Motiven Ihres Bankberaters und wie er bezahlt wird, fragen Sie nach der Investitionsstrategie und bitten Sie um regelmäßige Berichte im Hinblick auf die Portfoliostruktur und Änderungen derselben.
MyPrivateBanking: Herr Schmidt, wir bedanken uns für dieses Gespräch.
Karl Matthäus Schmidt, geboren 1969, ist der Vorstandsvorsitzende der quirin bank, der ersten Privatbank in Deutschland, die ihren Kunden honorarbasierte Vermögensberatung ohne Interessenkonflikte anbietet, da die Bank keine Provisionen annimmt. In den 1990er Jahren gründete Schmidt Consors, die erste deutsche Direktbank.