Was Privatanleger aus der Griechenland-Krise lernen können
Über die letzten Wochen hinweg waren wir Zeugen einer griechischen Tragödie. Diese begann mit viel Täuschung und beschönigenden Reden, aber letztlich wurde es offensichtlich, dass die griechische Regierung ihre steigenden Schulden von jetzt über 300 Milliarden Euro nicht aus eigener Kraft refinanzieren kann. Die Kursdifferenz auf griechischen Euro-Anleihen (was die Anteilsdifferenz zwischen einer griechischen und z.B. einer deutschen Staatsanleihe ist) ist rasant gestiegen. Selbst mit den drakonischsten Haushaltskürzungen und den hohen Krediten wird es schwierig werden Griechenland auf lange Sicht vor der Insolvenz zu retten.
Die nächsten Kandidaten für mögliche Schuldenprobleme sind Portugal, Spanien, Italien und Irland – zumindest nach Ansicht der Märkte und Rating-Agenturen, da der Risikoaufschlag auf die Schulden dieser Länder stark gestiegen ist und die Ratings drastisch gesunken sind.
Es ist schwierig vorherzusagen, wie die ganze Geschichte ausgehen wird, da eine Reihe politischer Protagonisten reinspielen, die unterschiedliche Interessen haben und verschiedene mögliche Regelungen vertreten. Zwei Dinge stehen aber fest: erstens ist es undenkbar, dass die EU oder der IWF mehr als ein oder zwei Länder retten kann, da der Schuldenberg der PIIGS-Staaten insgesamt einfach viel zu hoch ist (nicht zu reden von den anderen Ländern, die irgendwann auch Probleme bekommen könnten). Zweitens und als Konsequenz aus dem ersten Punkt müssen Privatanleger im Hinblick auf Risiko und Staatsschulden ihre langfristige Anlagestrategie überdenken.
In der Finanzpanik 2008/2009 haben viele Vermögensverwalter und Privatbanken ihren Kunden geraten, sich an so genannte sichere Anlagen zu halten. Viele Anleger haben diesen Rat beherzigt – und seitdem lieferten sich die Staatsanleihen ein beispielloses Wettrennen. Es ist nun umso schmerzhafter für Anleger, dass die vermeintlichen sichersten Geldanlagen viel risikoreicher sind als erwartet. Zusätzlich haben viele, die die Gewichtung in der Aufteilung ihres Portfolios von Aktien auf feste Einkünfte geändert haben, zu allem Überfluss die Erholung des Aktienmarktes verpasst.
Daher müssen Privatanleger die richtigen Schlüsse ziehen aus der Griechenland-Debatte und die gängige Auffassung zu den Risiken der Anlageklassen überdenken. Anleger sollten ihre Portfoliostrategie überprüfen und wir haben für Sie fünf Punkte zusammengestellt, die jeder Anleger mit seinem Vermögensberater besprechen sollte.
1. Hinterfragen Sie die Sicherheit von Staatsanleihen, selbst wenn sie aus den hoch entwickelten Ländern kommen. Es ist offensichtlich, dass die PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) wenig Disziplin bei den Ausgaben und der Steuereinnahmen an den Tag legten und nun beinahe unüberwindbare staatliche Schulden abzubauen haben. Aber Deutschland, Frankreich, die Niederlande und viele andere westliche Länder haben denselben Weg eingeschlagen. Wenn sie nicht ihre aktuelle Politik ändern werden sie angesichts ihrer demografischen Profile in nur wenigen Jahren dieselben Probleme zu bewältigen haben.
2. Vertrauen Sie nicht den Rating-Agenturen. Wieder haben S&P, Moody’s und weitere Rating-Agenturen Jahre gebraucht, um die Konsequenzen unbesonnener Steuerpolitik zu erkennen. Erst als der Wert der griechischen Staatsanleihen zusammenbrach, haben sie ihr Rating auf den Status hochspekulativ nach unten korrigiert. Nicht nur Monate, sogar Jahre zu spät.
3. Überprüfen Sie kritisch die Empfehlungen Ihres Vermögensberaters. Als viele Banken ihren Kunden Anfang 2009 geraten haben, auf feste Einkünfte zu setzen und Aktien zu meiden, folgten sie wie so viele Investoren dem Herdentrieb. Manche Banken haben sich bis Anfang 2010 weiter sehr konservativ verhalten – eine Katastrophe für ihre Kunden, die im Crash ein Vermögen verloren und dann davon abgehalten wurden, dass ihr Portfolio sich während des Bullenmarktes in der zweiten Hälfte des Jahres 2009 erholt.
4. Stellen Sie detaillierte Fragen. Stellen Sie sicher, dass Sie verstehen, wie viele staatlich garantierte Schulden Sie in Ihrem Portfolio haben. Bitten Sie Ihren Vermögensberater, alle Ihre festen Einkünfte, Anleihen und Fonds zu überprüfen und die „faulen“ Anlagen zu identifizieren. Behalten Sie auch Ihre strukturierten Produkte im Auge; der Emittent eines Produkts könnte ebenfalls hoch verschuldet sein und die von ihm emittierten Produkte daher auch sehr risikoreich sein.
5. Berechnen Sie Ihr allgemeines Risikoprofil im Hinblick auf staatlich garantierte Schulden neu. Viele Studien haben gezeigt, dass der langfristige historische Gewinn aus Staatsanleihen unter dem von Aktien, Unternehmensanleihen und Immobilien liegt. Ziehen sie daher die langfristige Risiken und so genannte „Black Swan Events“ (Ereignisse mit sehr hohem Risiken mit niedriger Wahrscheinlichkeit, die erfahrungsgemäss trotzdem irgendwann eintreten) wie Hyperinflation, Staatsbankrotte oder sogar das Versagen einer Währungsunion in Betracht. Bedenken Sie, dass die Welt Beispiele für die komplette Tilgung von Staatsschulden in entwickelten Ländern gesehen hat, wie beispielsweise die Währungsreform in Deutschland im Jahr 1923, die zwar Jahre der Überinflation beendeten, aber bei den meisten Gläubiger zu einem Totalverlust der Anlagen führten. Sie sollten überlegen insgesamt weniger in Staatsanleihen zu investieren oder nur bei ausgewählten Ländern mit niedrigerem Schuldenniveau.